Die mehrfache Paralympics-Siegerin Elena Semschin über Krisen, Motivation und Dankbarkeit
Von Herbert Beinlich
„Der Krebs hat sich den falschen Körper ausgesucht“! Im vollen Berlin Capital Club hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Die mehrfache Paralympics-Siegerin Elena Semechin spricht bei einem BVMW-Event am 17. September 2026 über Krisen und wie man sie überwindet. Im Publikum werden eher verschämt Taschentücher gezückt. „Wer nach diesem Vortrag nicht motiviert ist, ist tot“, bringt es eine Unternehmerin mit Tränen in den Augen auf den Punkt.
Elena kommt mit 7 Jahren als Spätaussiedlerin mit ihren Eltern von Kasachstan nach Deutschland. Sie geht in die Schule und lernt Deutsch. Doch eine seltene Krankheit sorgt dafür, dass sie langsam ihr Augenlicht verliert. Heute sind es nur noch zwei Prozent Sehkraft. Weil sie nicht mehr lesen kann, muss sie die Schule verlassen und kommt in eine Einrichtung für Sehbehinderte. In einem fremden Land alleine in einer Blindenschule.
Mit 13 Jahren soll sie ein Schwimmabzeichen machen, aber sie kann nicht schwimmen. Ein Jahr später kommt sie nach Berlin und wird von einem Schwimmtrainer auf die Olympischen Spiele für Parasportler vorbereitet. Erst London, Rio de Janeiro, Tokio. Sie gewinnt den Endlauf in Tokio und holt mehrere Weltmeister- und Europameisterschaftstitel. Dann findet man bei ihr ein bösartiges Krebsgeschwür im Kopf. Operation in der Charité. Warum wieder ich? Bestrahlungen und mehr als 13 Monate Chemotherapie. Das war es mit der Schwimmkarriere.
Sie kämpft sich trotz Schmerzen im letzten Moment zu Olympia nach Paris. Dort passiert etwas Unglaubliches. Sie gewinnt den Endlauf mit Weltrekord.
Elena ist im vergangenen Jahr Mutter geworden und trainiert jetzt für die Paralympics 2028 in Los Angeles. Der Krebs hat sich den falschen Körper ausgesucht. Eine bewundernswerte Frau, der alles zuzutrauen ist.
Wir danken für den Besuch!